Sonntag, 20. November 2011

Sternchenzeit


„Wenn du es eilig hast, dann gehe langsam!“ so lautete der Rat einer Therapeutin. Wie verrückt dachte ich im ersten Moment. Es war so völlig gegen meine Lernerfahrungen in meinem bisherigen Leben. Immer schneller, immer mehr in immer kürzerer Zeit... das ist das, was ich bis dahin kannte. Und jetzt dieser paradoxe Rat das Gegenteil von dem zu tun, was eigentlich mein innerer Impuls wäre. Ich komme mir wie ausgebremst vor und erinnere mich an ein Erlebnis, dass ich kurz vorher in der Kirche auf dem Schwanberg hatte. Dort wird bei den Stundengebeten die Psalmen nach gregorianischer Weise gesungen mit Vorsänger und Gemeinde und mit diesem typischen kurzen Innehalten nach jeder Textzeile. In den Texvorlagen ist das durch ein Sternchen nach jeder Zeile gekennzeichnet. Am Anfang bin ich voll reingefallen, munter weitersingend, mitten in die Pause hinein. Beim zweiten Mal, wusste ich schon was kommt – aber wieder hatte ich das Gefühl ausgebremst zu sein. Ab dem dritten Mal fing ich an, das ganze langsam zu genießen. Einmal ausatmen und einatmen. Zeit um den vergangenen Text auf mich wirken zu lassen. Mich einzustellen auf Neues. „Sternchenzeit“ 
Die Adventszeit will uns einladen, inne zu halten – und vielleicht brauche wir es in dieser Zeit gerade besonders. Einmal ausatmen und wieder einatmen – innehalten – nichts bewirken, außer Gottes Wirken an mir zulassen. Stark sein in der Schwäche. 

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