Sonntag, 29. März 2020

Komm und sei - überleben in der Krise

Predigttext: 1. Mose 7


Liebe Gemeinde,
Eine echte Quarantäne-Geschichte, diese Geschichte der Arche.
Und deshalb kommt heute auch ein Überlebender zu Wort.
Hört, was Noah euch erzählt:

Es war total verrückt. Dieser Gedanke eine Arche zu bauen und diesen Gedanken
dann in die Tat umzusetzen. Was musste ich mir alles anhören.
Aber es war abzusehen. Das Leben konnte so nicht weitergehen. Wir schlitterten auf
eine große Katastrophe zu. Und tatsächlich kam sie auch.
Wir zogen gemeinsam in die Arche. Meine Frau, meine Söhne und ihre Frauen,
Proviant und viele Tiere. Dann wurde die Türe geschlossen. Jetzt konnte niemand
mehr raus. Und plötzlich setzte der Regen ein. Wir hier drinnen waren in Sicherheit,
aber was passierte mit denen draußen? Es regnete unaufhörlich. Irgendwann
verloren wir jegliches Zeitgefühl. Ein Tag nach dem anderen. Wie viele Stunden waren
schon vergangen? Tage? Wochen? – Zeit spielte auf einmal keine Rolle mehr.

Am Anfang war es ja noch ganz nett, wir hatten uns noch einiges zu erzählen. Wir
freuten uns, Zeit miteinander zu haben. Wir genossen die Nähe. Aber auf die Dauer
wurde es richtig anstrengend. Das, was wir aneinander liebten, das war auch das,
woran wir uns rieben.
Und dann diese Enge. Keinen Platz zum Ausweichen. Aufeinander geworfen,
eingepfercht, keine Fluchtmöglichkeit. Die Zeit dehnte sich endlos aus. Die Haut
wurde dünner. Die Nerven lagen blank.

Das Wasser stieg und stieg. Unsere Gedanken wanderten zu den Menschen draußen.
Freunde, Verwandte - so viel Leid und Schmerz. Wir in Sicherheit, aber die da
draußen?
Der Gedanke an das viele Leid, trieb mich zum Wahnsinn.
In meiner Not schrie ich zu Gott: „Hättest du das nicht anders lösen können? Warum
wir und die anderen nicht? Bist du das, der diese Welt vernichtet? Oder hat die Welt
sich selbst vernichtet? Wer bist du, wenn du so voller Zorn sein kannst?“
Mein Glaube wurde erschüttert. Durchgeschüttelt, wie wir in der Arche. Auf
schwankender, stürmischer See verliert auch leicht der Glaube seine Stabilität.
Ich fühlte mich allein. Obwohl wir eine Schicksalsgemeinschaft in dieser Arche waren,
konnte doch tatsächlich niemand für mich meinen Lebensweg gehen. Niemand kann
meinen Schmerz auf sich nehmen. Niemand meine Trauer durchleben.
Unsere Gespräche wurden stiller. Wir spürten unsere eigene Angst. Wir ahnten, wie
unerträglich das ist, was die Menschen draußen zu tragen hatten. Wir spürten unsere
eigenen Grenzen. Wir sahen unsere Begrenztheit. Ist es möglich, das Leid der
anderen jeder Zeit, an jedem Tag und in vollem Ausmaß auszuhalten?
Dort in der Finsternis der Arche trugen die alten Namen, die wir Gott gegeben hatten,
nicht mehr. Früher hatten wir ihn „Allmächtiger“ genannt. Aber seine Macht schien
nicht zu wirken in den Wirren der Flut.
Früher hatten wir ihn „Barmherziger“ genannt. Aber wir konnten ihn nicht in
Verbindung bringen mit dem, was wir jetzt erlebten.
Im Dunkeln wird Gott oft namenlos.

Der Wasserpegel stieg und stieg an. Die Arche schaukelte.
Die tägliche Arbeit in der Arche lenkte uns ab. Alltagsroutine entstand in der
Ausnahmesituation. Diese Arbeiten stoppten unser Gedankenkarussell.
Wir mussten damit fertig werden, dass wir wohl in Sicherheit waren, während da
draußen die Welt unterging.
Wir lernten, was es bedeutet, das Leid eines anderen nicht jederzeit, an jedem Tag
und in vollem Ausmaß aushalten zu können. Es tat gut eigene Grenzen zu spüren. Wir
trauerten, gemeinsam und doch jede und jeder auf seine Weise.

Je dünner die Haut wurde, umso empfänglicher wurden wir aber auch für das Gute.
Wir lernten einander neu kennen. Und wir lernten Gott neu kennen.
Alte Texte, Geschichten, Lieder stiegen in mir wieder an die Oberfläche. Die viele Zeit,
die wir auf einmal hatten, ließ uns unsere Geschichten miteinander teilen.
Erinnerungen lebten auf – Lachen erfüllte den Raum.
Zeit hatte ich auf einmal auch mehr für Gott. Aus meinem Streiten mit ihm wurde
immer mehr ein Hören auf ihn.
Ein Lächeln der Anderen wurde so zu einem Gruß von Gott.
Im Nachhinein erkannte ich, dass Gott in dieser finsteren Zeit einen menschlichen
Namen trug. Er verbarg sich in ermutigenden Worten, Zeichen der mitmenschlichen
Nähe. Aber nicht nur menschliche Namen bekam Gott, sondern gerade auch heilige.
Namen, die mir Zuversicht gaben, weil sie über mein menschliches Begreifen hinaus
gingen.
So wuchsen Gott neue Namen zu, die mit diesen Erfahrungen gefüllt sind. Namen,
denen ich Vertrauen schenkte.
In der Dunkelheit sind sie neu geboren, wie in einer „heiligen“ Nacht.

Danke, Noah – für das Teilen deiner Erfahrung mit uns. 
Noah, wir schweigen mit dir,
wir zweifeln mit dir, 
wir sehnen uns mit dir
mit dir wollen wir glauben.


Bleibt behütet und gesegnet.

Amen.

Dienstag, 24. März 2020

Getrennt und doch verbunden

Frühandacht in Martha-Maria Nürnberg am 24.03.2020


Andacht –Kolosser 1,3 - 4 + 9
In Verbindung trotz Trennung

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, 
als Paulus seine Gemeinden auf seinen Reisen gründete, konnte und wollte er nicht bei der ersten stehen bleiben und sich einrichten. Er war von der Idee getrieben, dass die ganze Welt die gute Nachricht erfahren sollte, dass Gott Sehnsucht nach seinen Menschen hat. Deshalb brach er immer wieder auf, machte sich immer wieder auf den Weg und ließ die jungen Gemeinden zurück. 
Aber auch wenn sie körperlich sich nicht nahe waren, so waren diese Gemeinden – „seine Kinder“ – doch in seinem Herzen ihm nahe. Davon erzählen die vielen Briefe, die uns im Neuen Testament überliefert sind. Auch die Gemeinde in Kolossä zählte dazu, und so lässt er sie in seinem Brief gleich ganz am Anfang wissen:


In diesen Tagen sind wir auch aufgerufen, uns körperlich nicht zu nahe zu kommen. In Krankenhäusern, Seniorenheimen und Pflegeheimen können wir uns nicht besuchen. Das ist hart für die, die in diesen Häusern sind, aber auch für die die außerhalb sind. Gut, wenn wir noch telefonieren können – und so wenigstens ein bisschen mitbekommen, wie es denen drinnen und denen draußen damit geht.

Paulus kann uns heute morgen auch ein anderes Beispiel geben für Verbundenheit. Es dankt Gott für die Menschen in der Gemeinde, die er zurücklassen musste und er bittet für sie. In diesen schwierigen Zeiten verweist er auf das gemeinsame Fundament. Es ist die Liebe zu Gott und den Mitmenschen die aus der Liebe Gottes, die in ihren Herzen brennt, sie miteinander verbindet. 
Diese Liebe treibt Paulus an, für die Schwestern und Brüder in der Ferne zu beten. Das verbindet. 
Er bittet für sie, dass auch sie von Gottes Liebe erfüllt werden und Friede in ihre aufgewühlten Herzen komme. Er bittet darum, dass auch sie von Gottes Heiligem Geist erfüllt werden und so in Gottes Liebe bleiben können.

In diesen Tagen sind wir uns körperlich nicht so nahe – aber Paulus lädt uns ein, es ihm gleich zu tun. Betend, die Menschen vor Gott bringen, die uns ans Herz gelegt sind. Und so in Gott einander nahe zu sein. 
Vielleicht wenn wir um 12:00 Uhr beim Mittagsgebet an sie denken – oder wie an vielen Orten in Deutschland gerade, wenn um 19:00 Uhr wir auf dem Balkon das Lied: Der Mond ist aufgegangen anstimmen – und dabei aneinander denken, füreinander singend beten – und unseren kranken Nachbarn auch mit einschließen. 

Ich werde das heute für Sie alle tun. 

Amen

Gebet & Vaterunser
Gott,
ich bin hier (wir sind hier)
allein
und doch durch deinen Geist alle miteinander verbunden


Ungewissheit und Angst erfüllen unsere Gedanken.
Wir sind in Sorge.
Wir sorgen uns um unsere Lieben.
Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
Wir vertrauen uns deiner Fürsorge an.
Behüte uns und bewahre uns.

Krankheit bedroht die Schwachen.
Wir sind hilflos.
Wir wissen, dass wir sie nicht schützen können.
Wir vertrauen die Kranken deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
Wir bitten für die Sterbenden –
in unserer Nähe und in aller Welt.
Behüte sie und erbarme dich.
Wir danken dir für alle,
die in Krankenhäusern, Laboren und Ämtern arbeiten
und sich um das Wohl aller mühen.
Behüte und leite sie und erbarme dich.

Du Gott des Lebens, Jesus Christus,
du rufst uns und wir wollen dir nachfolgen.
Hilf deiner Gemeinde,
mache ihren Mut größer als ihre Furcht,
tröste sie in Angst,
begeistere sie,
erfülle sie mit Liebe
damit sie deine Liebe weitergibt.
Du rufst uns und wir danken dir
für den Mut, für den Trost und für deine Liebe.
Heute und alle Tage.
Vater unser...

Dienstag, 10. März 2020

Philipper 2, 5-11
5 Denkt im Umgang miteinander immer daran, welchen Maßstab Christus Jesusgesetzt hat:
 6 Von göttlicher Gestalt war er. Aber er hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein – so wie ein Dieb an seiner Beute.
7 Sondern er legte die göttliche Gestalt ab und nahm die eines Knechtes an. Er wurde in allem den Menschen gleich. In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch.
8 Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis in den Tod – ja, bis in den Tod am Kreuz.
9 Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht: Er hat ihm den Namen verliehen, der allen Namen überlegen ist.
10 Denn vor dem Namen von Jesussoll sich jedes Knie beugen – im Himmel, auf der Erde und unter der Erde.
11 Und jede Zunge soll bekennen: »Jesus Christus ist der Herr!« Das geschieht, um die Herrlichkeit Gottes, des Vaters, noch größer zu machen.


Predigt zum 50 jährigen Jubiläum des Bayernverbandes im BCPD - 08.März 2020, Eben-Eber Kirche Martha-Maria Nürnberg


Musik kann sehr dramatisch sein – wir haben es gerade bei der modernen Fassung von „Oh Haupt voll Blut und Wunden" gehört. 

Musik kann aber auch sehr romantisch sein: 

„Ich sing a Liad für di...“ Andreas Gabalier hat mit diesem Hit des Jahres 2012 – (bis heute in der Schlagerszene) den Durchbruch für sich geschafft. Und ich vermute: 

Er hat wohl auf einen Nerv der Zeit getroffen. Da singt jemand für mich, macht seine Liebe zu mir öffentlich, hörbar. Etwas romantischeres gibt es fast nicht.

 

Ein Liebeslied der besonderen Art ist der Text, den wir gerade aus dem Philipperbrief gehört haben.

Ein besonderes Liebeslied – ein Lied der Liebe Gottes für seine Menschen.

Wer war dieser Christus?

Es ist wie in einer verkehrten Welt – der der göttlicher Gestalt war, kommt herunter. Im wahrsten Sinn des Wortes. 

Schon seine Geburt – eine einzige Zu- Mutung

Und das zieht sich durch sein ganzes Leben hindurch. Von göttlicher Gestalt aber doch ganz Menschen. Mit allen Höhen und Tiefen. Mit dem ganzen Spektrum von Gefühlen und Erfahrungen, mit Glückmomenten und Momenten der Einsamkeit. Mit Freude, Lachen, Feiern, aber auch Trauer, Tränen und Schmerzen. Ja – bis zum Ende – einem sehr bitteren und einsamen Ende.

Er bleibt sich treu – geht buchstäblich durch die Hölle, um am Ende den Tod besiegt zu haben. Sein Tod und seine Auferstehung ist unsere Rettung. Was für ein Gott – was für eine Liebe.

Und sie ist ansteckend – ein extremes Risiko für alle, die sich davon berühren lassen. So ansteckend, dass sich diese Liebe, die Menschen erfahren haben, nicht in Quarantäne stecken lässt. Sie treibt Menschen dazu von dieser Liebe zu reden, zu singen, nach ihr zu handeln.

Und so breitet sich dieses Liebesvirus – dieses göttliche Virus aus. Wie eine Pandemie – über die ganze Erde. Ganz nach Gottes Wunsch und Idee – denn er will, dass alle Menschen gerettet werden.

 

Und die Menschen, die von dieser Liebe Gottes angesteckt sind, die für Christus unterwegs sind, sind bis heute Zeugen.

Deshalb können sie auch mit der vorletzten Strophe von dem Lied: "O Haupt voll Blut und Wunden" singen:

"Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir; wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür; wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein."

Was für eine  starke und mutige Aussage.

Und ich frage mich angesichts der großen und kleinen Ängste – vor Flüchtlingen, Viren und Krisen – ob es nicht dringend an der Zeit ist, das Lied vom heruntergekommenen Gott, der uns in unseren Ängsten auffängt und nicht lässt, wieder lauter und kräftiger zu singen, statt in das Wehklagen mit einzustimmen.

 

Ihr liebe Bläser und Bläserinnen spielt für euch – für die Gemeinde – und das Wichtigste, so steht es auf dem Programmblatt für Christus.

Mit eurem Spielen - mit unserem Singen - mit unseren Worten und Taten tragen wir dazu bei, dass Gottes Liebe in dieser Welt zu Gehör kommt. 

Für Christus – unser Leben und Lieben, unser Singen und Spielen, unser Dasein, gegen Ängste und Panik - voller Zuversicht, dass am Ende Gottes Liebe stärker ist. 

Gott segne uns dazu.

Amen.

 

 

Montag, 8. Juli 2019

Was für ein Vertrauen!

Predigt zum Gottesdienst im Grünen 2019 – gehalten am 30.06.2019 am Wöhrder See, Nürnberg


Markus 4, 35-41
35 Am Abend dieses Tages
sagte Jesus zu seinen Jüngern:
»Wir wollen ans andere Ufer fahren.«
36 Sie ließen die Volksmenge zurück.
Dann fuhren sie mit dem Boot los,
in dem er saß.
Auch andere Boote fuhren mit.
37 Da kam ein starker Sturm auf.
Die Wellen schlugen ins Boot hinein,
sodass es schon volllief.
38 Jesus schlief hinten im Boot auf einem Kissen.
Seine Jünger weckten ihn
und riefen:
»Lehrer! Macht es dir nichts aus,
dass wir untergehen?«
39 Jesus stand auf,
bedrohte den Wind
und sagte zu dem See:
»Werde ruhig! Sei still!«
Da legte sich der Wind
und es wurde ganz still.
40 Und Jesus fragte die Jünger:
»Warum habt ihr solche Angst?
Wo ist euer Glaube
41 Aber die Jünger überkam große Furcht.
Sie fragten sich:
»Wer ist er eigentlich?
Sogar der Wind und die Wellen
gehorchen ihm.«

Eigentlich ist das keine Vertrauensgeschichte. Es ist eine Geschichte von Enttäuschungen.
Deshalb ist es auch meine Geschichte und Gottes Geschichte mit mir. Ich kenne das: enttäuscht zu werden – und ich kenne es zu enttäuschen, sowohl Menschen wie auch Gott. Deshalb bin ich auch ganz bei der Kollegin Sandra Bils, die bei ihrer Predigt zum Abschluß des Kirchentages davon sprach, dass wir „Gottes geliebte Gurkentruppe sind.“ 
Wie kommt es zu den Enttäuschungen in unserer Geschichte?
Mit Jesus im Boot – die Jünger sind zufrieden. Sie hatten ja schon einiges erlebt. Auch an diesem Tag. Klar fahren sie mit Jesus über den See. Kein Problem!
Mit Jesus im Boot bei schönen Wetter – das ist easy – das kann jeder*r
Das ist so einfach – dass Markus es bewusst erwähnt, dass Jesus schläft. Alles bestens – alles gut!
Meine Söhne würden sagen: Die chillen ihr Leben. 1000 mal so gemacht – 1000 mal nix passiert.
Das kenne ich: mein Lebensboot gleitet dahin, die Gemeindearbeit – unser Kirchenboot es gleitet dahin.
Doch dann taucht aus dem heiteren Himmel ein Sturm auf. Nichts ungewöhnliches in dieser Gegend – und den Fischern untern den Jüngern vertraut und bekannt.
Auf einmal ist neben Jesus auch Wasser im Boot. Das sollte nicht sein! Eine ernsthafte Ent-Täuschung! Nix mehr mit easy! Wasser im Boot war so nicht vorgesehen. Da hatten sich die Jünger wohl ge-täuscht.
Mit dem Wasserspiegel steigt auch die Aufgeregtheit.
Auch das kenne ich – kennen wir. 
Eine schlimme Diagnose, Streit und Uneinigkeit in der Gemeinde – Sorge um Kirchenspaltung
Wir haben in unseren Gemeinden Menschen, die vor Verfolgung geflohen sind, weil sie nicht öffentlich zu ihrem Glauben zu Jesus Christus stehen können in ihrem Heimatland.
Und auch bei uns merke ich, dass die Angst zu meiner Meinung zu stehen steigt. Es scheint gefährlich geworden zu sein, davon zu sprechen, dass man Menschen nicht ertrinken lässt. Punkt!
Da kann ganz schnell dann das Wasser im Boot steigen. – 
Ich frage mich, ob wir nicht sogar mit unserem Stillhalten und der Angst vor dem Sturm manchmal meinen, den Sturm verhindern zu können?!
Am besten soll alles bleiben, wie es ist! – das könnte der Punkt sein, an dem vielleicht dann Gott von uns ent-täuscht sein könnte!
Nur den Sturm vermeiden – nicht in stürmische Wasser geraten!

Aber das Leben ist so nicht. Stürme kommen und gehen – das ist das Leben! Auch mit Jesus im Boot!

Die Frage ist doch deshalb: Was machen die im Boot? Was machen wir im Boot?
Dieses mutlose darüber reden, dass die Kirche heute nichts mehr bewirken kann, dass wir halt in einer gottlosen Zeit leben?
Dass die Frau, die auch nach Jahren noch um ihre toten Kinder trauert sich endlich zusammenreißen soll?
Dass heute keine neuen Wunder mehr passieren? 
Dass wir uns damit abfinden sollen, dass Kirche eben Auslaufmodell ist?
Dass wir halt klein sind, alt, müde und eben nichts mehr reißen können?
Dass wir uns gegenseitig als Kirchen und Christen den Glauben nicht glauben und anderen Formen zu glauben schlechtreden.?

Das scheint mir wie hektisches Wasserschöpfen. 
Hektik vertreibt klare Gedanken – und Gelassenheit. Der Gereiztheitspegel steigt mit dem Wasserpegel. Keine gute Kombination. Nicht überlebensfördernd und nicht Friedensstiftend.
Ich frage mich, wo die Kompetenz der Fischer in dieser Geschichte ist? Ist es das, was Jesus enttäuscht fragen lässt, wo ihr Glaube ist?
Ist es das, was da in dem Boot passiert ist? Und das nennt Jesus Unglauben.

Was könnte passieren, wenn wir uns statt gegenseitig fertig zu machen, schlecht übereinander reden, runterziehen, hinten rum reden, ... an das erinnern würden, was wir im Boot haben? Unsere Gaben, unsere Kompetenz, unseren Mut und vor allem Jesus!
Was wenn wir anfangen würden in den großen und kleinen Krisen und Nöten uns gegenseitig daran zu erinnern, dass wir nicht alleine im Boot sind, und gegenseitig aufbauen und ermutigen und im Glauben stärken, weil Jesus mit im Boot ist!
Stellt euch das mal vor, was passieren würde, wenn wir gemeinsam überlegen würden, wie wir in unseren Stadtteil Gottes Liebe hineintagen könnten – statt zu jammern, dass Kirche nicht angesagt ist.
Stellt euch das mal vor, Gemeinden in denen Menschen getröstet werden, Kinder willkommen sind, Fremden geholfen wird – und Verzagte daran erinnert werden, dass Jesus im Boot ist.
Stellt euch das mal vor, wenn Gemeinden, Kirchen mutig Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit, für einen lebenswerten Stadtteil und nicht zögern und zaudern, sondern dem Sturm entschlossen in die Augen sehen, weil sie wissen, dass Jesus im Boot ist.
Stellt euch so eine Welt einmal vor! Was für ein Zeichen! Was für ein Vertrauen.
Mit Jesus im Boot und dem Glauben / Vertrauen, dass , wenn wir gar nicht mehr weiterkommen Jesus nicht mehr schläft. Denn der, der Wind und Wellen beherrschen kann, wird auch das Boot mit ihm nicht untergehen lassen.
Was für ein Vertrauen!
Amen 

Dienstag, 27. Februar 2018

Predigtfragment zu 1. Mose 16 - Hagar


Die Geschichte von zwei Frauen und einem Mann, der eine wichtige Rolle spielt, aber doch im Hintergrund bleibt. Eine Geschichte vom Sehen und Angesehen werden. Eine Geschichte, die aktueller nicht sein könnte.
Lasst uns Augen-Blicke bei der Geschichte verweilen und dann auf uns selbst blicken.

Wie alles begann?
Da sind sie also die beiden Abram und Sarai: Glaubensvater und Glaubensmutter. Große Verheißungen im Herzen, aber eine Realität, die nichts davon widerspiegelt. Und das Warten zermürbt, lässt die Quelle der Hoffnung nur noch wie ein spärliches Rinnsal rieseln und am Ende fühlt es sich trocken und versiegt an. Keine Kinder zu haben – welche Schmach für Sarai und Abram. Keine Zukunft, kein Weiterbestehen der eigenen Familie – der Tod schon im Leben! Hoffnungslos – wenn, ja wenn es nicht dieses legale Hintertürchen gäbe, das nicht nur bei den Hebräern sondern auch drum herum offengelassen worden ist. Ein Kind gezeugt vom Ehemann im Bett der Ehefrau mit der Sklavin der Ehefrau. Ausgetragen von der Sklavin, auf den Knien der Ehefrau geboren und damit zum eignen Kind geworden. Leihmutterschaft schon damals. Mit allen Risiken und Schwierigkeiten. So ist der Plan.
Aber was keiner dieser drei wohl bedacht hatte, sind die Gefühle, die nun dazwischenfunken.
Ein Plan ohne Gefühle – aber wir Menschen sind voller Gefühle und zuallererst Gefühlvoll.

Wer schaut auf wen?
Das fängt ja schon bei den Blicken an. Wenn wir Menschen anschauen, dann kommen sofort unsere Gefühle mit ins Spiel. Wir werten und bewerten beim Anschauen, Hinblicken, zusehen – und dieses Werten und Bewerten hat mit unseren Gefühlen zu tun.
Wer schaut auf wen und wie in dieser Geschichte?
Sarai schaut auf sich – und sieht sich in einem schlechten Licht. Keine Kinder zu haben – diese Schande möchte sie nicht mehr ausgesetzt sein. Sie hat keinen liebevollen Blick für sich mehr. Sie sieht nur den Mangel an sich. Und damit sieht sie auch die Beziehung zu Abram mit einem mangelvollen Blick. Ich frage mich: Wo bist du Sarai bei dieser Geschichte?

Abram schaut weg. Mir scheint er hat resigniert. Jedenfalls kämpft er nicht für ein weiteres hoffnungsvolles Ausharren. Er lässt sich treiben und damit Sarai treiben, das zu tun, was sie für richtig hält. Konsequent hält er sich dann auch aus der restlichen Sache raus. Sein Mitgefühl ist nicht vorhanden, denn er hatte auch am Anfang keine Gefühle in diese Dreiecks-Beziehung eingebracht. Er scheint nicht hinschauen zu wollen und kann deshalb auch keine der Frauen richtig anschauen. Ich frage mich: Wo bist du Abram bei dieser Geschichte?

Hagar wird nicht gefragt. Sie muss funktionieren, so ist ihre Rolle. Doch als sie schwanger wird, wächst mit ihr das Gefühl, dass sie an dieser Stelle ihrer Herrin überlegen ist. Jetzt schaut sie herab auf Sarai. Die Verhältnisse drehen sich und bleiben äußerlich doch gleich. Das ist Konfliktpotential hoch drei. Und irgendwann weiß Hagar sich nicht besser zu helfen, als zu fliehen. Nix wie weg. Ab in die Wüste. Sie scheint keinen wirklich guten Plan zu haben – Hauptsache weg von.. Ich frage mich: Wo bist du Hagar bei dieser Geschichte?

Was passiert, wenn uns Gott anblickt?
Bisher ist von Gott wenig die Rede gewesen. Die großen Glaubenseltern haben das Heft in die Hand genommen und so ist es keine Frage, was Gott dazu wohl sagt. Aber Gott blickt die ganze Zeit auf diese Beziehungsgeschichte. Und als ihm die Chance gegeben wird, dort in der Wüste am Brunnen des lebendigen Wassers, greift er ein. Hagar spürt den Blick, der auf ihr ruht und sie tritt in den Dialog mit Gott ein.
Aber die ersten Worte sind nicht das, was sie hören möchte. Sie soll zurück gehen, wieder in die Zustände, denen sie entflohen ist. Geht das? Ist das nicht zu viel verlangt? Zurück an den Ort der Demütigung? Wie soll das gehen?

Gott blickt uns liebevoll an
Dort am Brunnen des lebendigen Wassers blickt Gott liebevoll auf Hagar. Er sieht ihre Not und lässt sie nicht im Stich.
Dort am Brunnen des lebendigen Wassers blickt Hagar auf Gott. Und in der Begegnung mit ihm bekommt sie einen neuen Blick auf sich und ihr Leben. Sie muss nun nicht mehr ihren Selbstwert aus dem Herabblicken auf Sarai aufwerten. Sie hat erfahren, dass sie ein zutiefst angesehener Mensch ist, denn Gottes Augen ruhen auf ihr. El Ro-I: Du bist der Gott, der mich ansieht.
Mit liebevollen Augen, mit einem brennenden Herzen, mit Möglichkeiten für eine Zukunft.
Vielleicht ist seitdem das Morgengebet entstanden, dass auch zu meinem Morgengebet seit einiger Zeit geworden ist:

Gott, lass deine Augen ruhen auf mir, und mich das Wissen um deine Freundschaft mitnehmen in diesen Tag.