Dienstag, 3. März 2015

Etwas eigenes braucht der Mensch - und das Geheimnis um das orangene Etui

Manchmal braucht es im Leben etwas eigenes, etwas was nur mir gehört und auch nur für mich gemacht wurde, kurz: etwas besonderes.
Für mich ist ein Füller schon immer etwas besonderes gewesen. Ich schreibe gerne mit Füller. Ich liebe es, wenn man mit leichtem Schwung, ohne Anstrengung seine Gedanken zu Papier bringen kann. Mein Traum von Füller muss gut in der Hand liegen, darf auf keinen Fall kratzen und das Scheiben darf den Gedankenfluss nicht beeinträchtigen. Kurz: Es muss fließen.
Einen solchen Füller hatte ich schon einmal – ich hatte ihn mir zum bestanden Examen selbst geschenkt. Er hatte mich ein Vermögen gekostet. Zum Aussuchen war ich fast eine Stunde im Schreibwarenladen. Aber dann war er es – mein Füller.
Ich war glücklich und schrieb viele meiner Predigten nun mit ihm. Es machte Spaß, es war ein Traum!
Eines Tages wurde mir mein Federmäppchen eben mit diesem Füller aus meinem Rucksack geklaut. Eine kleine Katastrophe. Sicher kein Weltuntergang, aber eben nicht mehr wie vorher. Und alle Füller danach waren eben nur ein Abglanz dessen, was ich einmal besessen hatte. Meine Predigten wurden immer öfter und immer mehr mit dem Computer geschrieben – und tief in mir, nahm das Sehnen nach dem Füller immer größeren Raum ein.

Dann entdeckte ich die Seite von Christoph Dengler. Seine Füller gefielen mir und so kam ein erster Kontakt per mail zustande. Auf seine Frage nach meinem Traumfüller beschrieb ich ihm „meinen Füller“. Als Holz suchte ich mir aus einer Vielzahl von Möglichkeiten Eschenholz aus – die Form beschrieb ich ihm genau. 
Hölzerauswahln (Foto: Christoph Dengler)
Während der Produktionszeit informierte mich Christoph täglich mit Mails und Bildern über den Fortschritt. So war es für mich, als wäre ich bei der Entstehung ganz nahe dabei gewesen. 
Alle Teile sind bereitgelegt (Foto: Christoph Dengler)

Die Hölzer sind auf der Drehbank aufgespannt (Foto: Christoph Dengler)

Fertig gedrechselt (Foto: Christoph Dengler)
"Hochzeit" - Zusammenfügen (Foto: Christoph Dengler)
Nach wenigen Tagen konnte ich meinen Füller, liebevoll verpackt per Post in der Hand halten. 
Das Päckchen ist da!!!

Der erste Blick 

liebevolle Verpackung












Mein Füller!!
Und da war es wieder: dieses Gefühl, etwas ganz besonderes in der Hand zu halten. Ein Füller, wie für mich gemacht – alles fließt! Danke Christoph!

Ach ja, bliebe noch das Geheimnis um das orangene Etui:
Das ist schnell gelöst - mein allererster Schulranzen - und damit der Startpunkt für das Schreiben mit einem Füller - war aus orangem Leder. Kein Kind würde heute mit einem solchen Schulranzen in die Schule mehr gehen, aber ich war sehr, sehr stolz darauf. (Übrigens auch die einzigste, die einen orangenen Schulranzen hatte.)

Kommentare:

  1. Hallo Birgitta,

    jetzt bin ich mal ganz neugierig hier vorbeigesurft, und an Deinem Beitrag mit dem Füller hängengeblieben. Herrlich! Der ist toll. Überhaupt die Idee und der Weg der Herstellung ist unglaublich schön. Ich liebe Füller!
    Ich nutze die Chance viel zu selten, damit zu schreiben.
    Aber ich habe wieder angefangen, mir ein wenig Zeit für Kalligraphie zu nehmen. Vielleicht nutze ich dann automatisch auch wieder mehr den 'normalen' Füller. Meinen habe ich noch aus der Schule, den habe ich mal von meinen Eltern bekommen. Mit Gravur. Mit diesem Füller habe ich alle wichtigen Prüfungen verfasst. :-)
    Ärgerlich, wenn der verschwinden würde.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hallo Sandra, es macht total Spaß mit diesem Füller zu schreibren - und ja, ich schreibe wieder mehr mit der Hand. Es ist einfach viel sinnenfälltiger.
      Liebe Grüße
      Birgitta

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